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Geschichte der VR-Fotografie: Von QuickTime VR bis heute

Vom gemalten Rundbild über QuickTime VR und die Panotools-Community bis zur 360-Grad-Kamera im Taschenformat: wie das interaktive Panorama entstand.

Inhalt dieser Seite
  1. QuickTime VR: das Panorama zum Drehen
  2. Die Panorama-Community und die Panorama Tools
  3. Die Jahre der privaten Panorama-Seiten
  4. Panoramisches Video
  5. Von Flash zu WebGL
  6. Street View, 360-Grad-Kameras und soziale Netzwerke
  7. Was geblieben ist

Das Bedürfnis, einen Ort rundum zu zeigen, ist viel älter als die Digitalfotografie. Schon im 19. Jahrhundert zogen gemalte Rundbilder in eigens gebauten Rotunden das Publikum an. Besucher standen in der Mitte und sahen ringsum eine Stadt, eine Landschaft oder eine Schlacht. Das Wort Panorama, aus dem Griechischen für Allsicht, stammt aus dieser Zeit. Später folgten Panoramakameras mit schwenkendem Objektiv oder rotierendem Gehäuse, die breite Ansichten auf Film bannten.

Die interaktive Variante, bei der Betrachter selbst entscheiden, wohin sie schauen, entstand erst mit dem Personal Computer.

QuickTime VR: das Panorama zum Drehen

Mitte der 1990er-Jahre stellte Apple QuickTime VR vor, eine Erweiterung seiner Multimedia-Technik QuickTime. Damit ließen sich zusammengesetzte Panoramen als Datei speichern, die man im Player oder per Browser-Plugin mit der Maus drehen und zoomen konnte. Erstmals konnte jeder mit einem normalen Computer einen Ort virtuell besuchen.

QuickTime VR kannte zwei Grundformen:

  • Panoramen: Der Betrachter steht in der Mitte und schaut sich um. Anfangs waren das Zylinderpanoramen ohne Himmel und Boden, später kamen kubische Panoramen hinzu, die die vollständige Kugel zeigten.
  • Objektfilme: Ein Gegenstand wird aus vielen Winkeln fotografiert und lässt sich am Bildschirm von allen Seiten betrachten. Autos, Skulpturen und Produkte wurden so präsentiert.

Mehrere Panoramen konnten über anklickbare Bereiche verbunden werden. Damit war das Grundprinzip des virtuellen Rundgangs bereits vorhanden, Jahrzehnte bevor Smartphones es alltäglich machten.

Die Panorama-Community und die Panorama Tools

Ende der 1990er-Jahre erschienen die Panorama Tools, eine frei verfügbare Werkzeugsammlung, die erstmals offenlegte, wie sich Objektivverzeichnung, Ausrichtung und Projektion beim Zusammensetzen von Fotos berechnen lassen. Rund um diese Werkzeuge entstand eine internationale Community. In Mailinglisten, Foren und Wikis tauschten Fotografen, Programmierer und Tüftler Wissen über Nodalpunkte, Panoramaköpfe und Stitching aus. Viele Begriffe und Techniken, die heute selbstverständlich sind, wurden dort entwickelt und dokumentiert.

Aus diesem Umfeld gingen Programme wie Hugin und PTGui hervor, die heute noch verbreitet sind. Mehr dazu im Bereich Panorama-Software.

Die Jahre der privaten Panorama-Seiten

Anfang der 2000er-Jahre veröffentlichten zahlreiche Fotografen ihre QTVR-Panoramen auf eigenen Websites und in Weblogs: Städte, Plätze, Konzerthallen, Rennstrecken, Innenräume. Auch unter der Adresse 360visits.de waren damals interaktive Panoramen zu sehen. Typische Motive dieser Zeit waren Großstadtansichten, etwa vom Times Square in New York, Motorsportveranstaltungen und Objekt-VRs von Autos.

Gemeinschaftsprojekte gaben der Szene zusätzlichen Schwung. Bei weltweiten Panorama-Aktionen veröffentlichten Fotografen zu einem gemeinsamen Termin Panoramen zu einem vorgegebenen Thema, sodass Rundumansichten aus vielen Ländern zusammenkamen.

Auch die Raumfahrt lieferte Material: Als die Mars-Rover der NASA ab 2004 Rundumbilder von der Marsoberfläche zur Erde schickten, setzten Panoramafotografen die veröffentlichten Einzelbilder zu interaktiven Ansichten zusammen. Zum ersten Mal konnte man sich am eigenen Bildschirm auf einem anderen Planeten umsehen.

Panoramisches Video

Parallel experimentierten Tüftler mit bewegten Rundumbildern. Spiegel- und Linsenoptiken, die das gesamte Umfeld auf einen Sensor projizierten, und Systeme aus mehreren Kameras zeigten früh, was später als 360-Grad-Video alltäglich wurde. Die Bildqualität war damals noch begrenzt, die Idee aber bereits vollständig.

Von Flash zu WebGL

Mit der Zeit verdrängten Viewer auf Basis von Adobe Flash die QuickTime-Plugins, weil Flash auf mehr Rechnern installiert war. Als Flash an Bedeutung verlor und schließlich Ende 2020 eingestellt wurde, übernahmen Viewer auf Basis von HTML5 und WebGL. Sie laufen ohne Plugin direkt im Browser, auch auf Smartphones und Tablets. Quelloffene Lösungen wie Pannellum oder Marzipano machen es heute einfach, Panoramen auf der eigenen Website zu zeigen. Ein Beispiel finden Sie unter Virtuelle Rundgänge erstellen.

Street View, 360-Grad-Kameras und soziale Netzwerke

Ab 2007 brachte Google mit Street View Straßenansichten in 360 Grad in einen Kartendienst und machte das Format einem Millionenpublikum vertraut. In den 2010er-Jahren kamen kompakte 360-Grad-Kameras mit zwei Fisheye-Objektiven auf den Markt, die ein Kugelpanorama auf einen Auslöser erfassen. Wenig später unterstützten große Video- und Fotoplattformen 360-Grad-Inhalte direkt im Feed. Was früher Panoramakopf, Spezialwissen und viel Rechenzeit erforderte, gelingt heute in wenigen Sekunden.

Was geblieben ist

Trotz aller Technik sind die Grundlagen dieselben wie vor dreißig Jahren. Die Kamera muss sich um den Nodalpunkt drehen, die Bilder müssen sich überlappen, die Belichtung muss stimmen. Wer verstehen möchte, warum ein Panorama an einer Stelle bricht oder warum der Horizont wellig wird, landet früher oder später bei denselben Fragen, die sich die Panorama-Community schon zur Zeit von QuickTime VR gestellt hat.

Zeitraum Entwicklung
19. Jahrhundert gemalte Rundbilder in Rotunden, erste Panoramakameras
Mitte der 1990er-Jahre QuickTime VR macht Panoramen am Computer interaktiv
Ende der 1990er-Jahre Panorama Tools und die Panotools-Community
Anfang der 2000er-Jahre private Panorama-Websites, kubische Panoramen, erste Panorama-Videos
ab 2007 Straßenansichten in Kartendiensten
2010er-Jahre kompakte 360-Grad-Kameras, Unterstützung auf großen Plattformen
ab 2020 Ende von Flash, Panoramen laufen per WebGL direkt im Browser

Wer heute selbst anfangen möchte, findet den Einstieg im Bereich 360-Grad-Fotografie.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Was war QuickTime VR?
QuickTime VR war eine Erweiterung von Apples Multimedia-Technik QuickTime. Sie erlaubte es, Panoramen und sogenannte Objektfilme als interaktive Dateien zu speichern, die man im Browser oder Player mit der Maus drehen und zoomen konnte. In den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren war es das wichtigste Format für Panoramen im Netz.
Was ist ein Objekt-VR?
Bei einem Objekt-VR dreht sich nicht der Betrachter, sondern das Objekt. Es wird aus vielen Winkeln fotografiert, etwa auf einem Drehteller. Am Bildschirm lässt es sich dann mit der Maus von allen Seiten betrachten. Das Prinzip lebt heute in 360-Grad-Produktansichten von Onlineshops weiter.
Kann man alte QuickTime-VR-Dateien heute noch öffnen?
Aktuelle Versionen von QuickTime und moderne Browser unterstützen das Format nicht mehr. Für das Archiv gibt es einzelne Programme und Konverter, die die Bilddaten in heutige Formate überführen. Oft ist es einfacher, die ursprünglichen Einzelbilder neu zu stitchen.